Die Zeit der Shareware – als Vollversionen per 0190-Nummern freigeschaltet wurden und Codes offen in Dateien lagen

Verfasst von

in

In meiner „mei Sicht“-Reihe blicke ich heute auf eine Zeit zurück, die geprägt war von kleinen Software-Anbietern, die auf dem Hype der Computerisierung aufspringen wollten – mit einem Geschäftsmodell, das heute kaum mehr vorstellbar ist.

Was versteht man unter Shareware

Es gab eine Zeit in der das Internet noch kein verbreitetes Medium war, um an Software zu kommen. Diese Ära war geprägt durch Disketten und Shareware CDs, die ein großes und günstiges Sortiment an Vielfalt boten und in Supermärkten oder in Zeitschriftenregalen zu finden waren. Man erwarb für 9,95 DM eine CD mit zehn, zwanzig oder mehr (Demo-) Spielen, die damit lockten, sich einen Eindruck des Spiels zu verschaffen, sich beim Anbieter zu melden und durch Beilage von Bargeld oder Überweisung die vollständige Version zu bestellen.

Auch ein beliebtes Modell war es, 0190-Nummern anzubieten, welche 1,95 DM pro angefangene Minute, per langsam sprechende Bandansage einen Code übermittelten, mit denen du Anwendungen und Spiele oder zusätzliches Vollversionsmaterial freischalten konntest.

Das Geschäftsmodell mit den 0190-Nummern

Wie erfolgreich das Geschäftsmodell am Ende blühte oder doch eher verwelkte, entschied zum Teil die zur Verfügung gestellte Shareware selbst. Über die Jahre wurde dies recht unscheinbar durch Demoversionen und die zunehmende Verbreitung durch das Internet verdrängt. Ein endgültiges Ende nahm es durch das Verbot der 0190-Nummern im Jahr 2005, aber bereits davor waren viele der Nummern gar nicht mehr erreichbar, weil sich die Firmen und Vertriebe auflösten.

Dem bin auch ich als Jugendlicher, damals mit mager ausgestattetem Taschengeld und immer auf der Suche nach einem Schnäppchen, verfallen. Ich durchstöberte die CD-Türme in den Supermärkten und versuchte anhand der Labels, die für mich interessantesten Spiele-Shareware-Sammlungen zu ergattern.

Wer erinnert sich noch an Skunny – das Adventure-/ Jump-n-Run-Eichhörnchen, das wie eine Mischung aus Donkey-Kong-Konzepten zusammengebaut aussah und ganz präsent eine Shareware-CD zierte oder „Highway Turbo Racer“ von RIP Software?

Nicht nur eins sondern mehrere dieser Prachtstücke warben mit zusätzlichen Vollversionen, wenn man sich bei der 0190-Nummer meldete und eine der verfügbaren Kategorien (wie Weltraumspiel, Geschicklichkeit, Rennspiel usw.) nannte. Natürlich müsste man für jede einzelne Kategorie separat anrufen und konnte nicht mehrere gleichzeitig nennen.

Ein paar Jahre später fand ich den Mut und mit der Erlaubnis der Eltern, die angegeben Nummer anzurufen und siehe da: Es war zu spät. Keine Bandansage, die mich abzockte. Keine Weiterleitung. Nur ein monotones Tuten und niemand, der meinen Anruf entgegennehmen wollte.

Meine Neugier verpuffte jäh und Enttäuschung breitet sich aus, dass ich nie erfahren würde, was diese CD mir noch hätte alles ermöglichen können.

Analyse

Doch mein Forscherdrang und meine Neugier entflammten nach dem Enttäuschenden Telefonat. Wenn nur ein Code abgefragt wird, muss der Inhalt doch bereits vollständig vorhanden sein. Die Dateipfade gaben aber nur die Shareware-Spiele sowie das Start-/Installationsmenü wieder.

Was blieb, ist somit die Untersuchung der bestehenden Dateien, angefangen mit der Datei, die für das Start- und Installationsmenü verantwortlich war. Nach kurzer Recherche mit dem in DOS üblichen Editor „edit“ stachen zwischen kryptischen Zeichenketten plötzlich die unverschlüsselten Codes der einzelnen Kategorien ins Auge.

Geschäftmodell der damaligen Ära

Es ist heutzutage unvorstellbar, mir welcher vielleicht naiven Art früher Daten, Informationen und Anwendungen verschleiert wurden und davon ausgegangen wurde, dass sich schon niemand die Dateien in einem Editor anschauen würde. Oder den Herstellern war schlichtweg selbst nicht bewusst, dass ihr Geschäftsmodell auf dünnen Dateifundamenten ruhte.

Das alles war mir damals egal, denn ich konnte endlich die mir bis dahin verborgene Welt der Spiele erkunden.